INPLASTICS  IM GESPRÄCH$/
INTERVIEW MIT ROBERT RIEGLER,
VORSTAND DER LUCOBIT AG
INPLASTICS: Vor rund fünf Jahren ist die LUCOBIT AG gegründet worden. Was hat Sie und ihre Mitstreiter dazu bewogen, diesen Schritt zu gehen?

Robert Riegler: Die BASF-Tochtergesellschaft ELENAC GmbH hat uns - vor dem Hintergrund der Gründung der Basell GmbH - das Angebot unterbreitet, ein langjährig am Markt eingeführtes Produkt zu übernehmen und weiterzuentwickeln. Durch Management-Buy-Out wurden die Marken- und Patentrechte an Lucobit® einschließlich der Produktionsanlagen erworben. So konnte die Arbeit mit einer erfahrenen Führungsmannschaft in Marketing, Forschung und Produktion fortgesetzt werden. Zudem existierte ein über lange Jahre gewachsener Kundenstamm, auf dem wir aufbauen konnten. Das waren gute Startvoraussetzungen für ein neues Unternehmen.



INPLASTICS: Wie fällt die Zwischenbilanz aus? Welche Entwicklung hat das Unternehmen seitdem genommen und wo steht die LUCOBIT AG heute?

Robert Riegler: Rein nach Umsätzen betrachtet haben wir das Geschäft inzwischen verdreifachen können. Das war einerseits dadurch möglich, dass wir den ECB-Bereich mit dem Schwerpunkt Abdichtung ausbauen konnten, vor allem auch im europäischen Ausland.Zum anderen haben wir unsere Produktpalette und Anwendermärkte durch Neuentwicklungen, den Erwerb von Patenten sowie Partnerschaften erweitert und die LUCOBIT AG somit als Hersteller von flexiblen Polylefinen international positionieren können.

INPLASTICS: In welchen Bereichen sind die Zukunftspotenziale der LUCOBIT AG zu finden?

Robert Riegler: Mit insgesamt vier Produktlinien bieten wir heute ein Sortiment von rund 30 Spezialwerkstoffen an, Sonderprodukte bzw.kundenspezifische Lösungen nicht mitgerechnet.Vor allem im Bereich der weichen und supersoften Materialien verzeichnen wir deutliche Zuwachsraten.So bieten wir beispielsweise durch die modifizierte Nachbearbeitung eine breite Palette von PE- und TPE Werkstoffen in solchen Härtegraden an,die die reinen Polyolefinhersteller nicht im Lieferprogramm haben.Hier besetzen wir eine Nische,die weiter ausbaufähig ist.

INPLASTICS: Und im Abdichtungsbereich?

Robert Riegler:Durch die Einführung europäischer Normen stehen weitreichende Veränderungen bevor. Das betrifft z.B. unsere Produktreihen Lucobit® (ECB), Lucolit® (EBT), eine Kombination aus Polyethylen und Bitumen, die insbesondere zur Herstellung von farbigen Dach- und Dichtungsbahnen verwendet wird sowie Lucofin® (FPO/TPO). Die zum Teil neuentwickelten Produkte werden dadurch europatauglich. Durch die CENorm wird die neue Werkstoffbezeichnung EBT (Ethylen Bitumen Thermoplast) europaweit festgeschrieben, womit sich die Marktchancen für diesen Werkstoff deutlich verbessern.Vor dem Hintergrund der Preisentwicklung bei Rohstoffen, insbesondere der Rohölpreise aber auch aufgrund der dauerhaft sicheren Anwendung und Funktionsleistungen, werden einlagige Abdichtungen auf Kunststoffbasis zunehmen.Vor allem durch farbliche Gestaltungsmöglichkeiten mit Lucolit® bestehen hier klare Wachstumspotenziale.

INPLASTICS: Welche Rolle spielt der Werkstoff ECB heute für die LUCOBIT AG?

Robert Riegler: ECB ist weiterhin unser wichtigstes Standbein und wir haben ausgerechnet, dass allein in Deutschland rund 800 Arbeitsplätze direkt mit der ECB-Verarbeitung verbunden sind. Das von der BASF entwickelte Verfahren zur Verbindung von flüssigem Bitumen mit flexiblen Polymeren ist bis heute einzigartig und hat sich in der Praxis bestens bewährt. Diese Polymere werden auf einer speziellen Compoundieranlage mit einer Kapazität von 24.000 to/a produziert.Weltweit sind wir der einzige ECB-Hersteller und es kommen neue Anwendungsbereiche für diesen Werkstoff hinzu, z.B. in der Automobilindustrie, wo ECB u.a. zum Schallschutz eingesetzt wird.

INPLASTICS: Gibt es auch in diesem Bereich neue Entwicklungen?

Robert Riegler: Natürlich, so beschäftigen wir uns in der LUCOBIT-Forschung zurzeit intensiv mit der Entwicklung von ECB-/FPO-Compounds, die den unterschiedlichen Brandschutzbestimmungen in Europa entsprechen. Denn trotz der Tendenz zu einheitlichen Standards in Europa hat das nationale Baurecht der Mitgliedsländer weiterhin Vorrang. Deshalb gelten etwa in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den skandinavischen Ländern unterschiedliche Bestimmungen, die nicht mit einer einzelnen Produktqualität erfüllt werden können. Die Entwicklungen sind weiter fortgeschritten, so dass wir bestens für den europäischen Markt aufgestellt sind.



INPLASTICS: Wie beurteilen Sie die derzeitigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa?

Robert Riegler: Konjunkturschwäche,Unwägbarkeiten des internationalen Währungsmarktes und steigende Rohstoffpreise sind nicht zu übersehen, doch letztlich haben wir als mittelständisches Unternehmen darauf keinen Einfluss.Allerdings wäre es fatal, den Preis auf Kosten der Produkqualität zu kompensieren.Bei der Wahl des Werkstoffes darf der Preis die Qualitätsanforderungen nicht verdrängen.Vertrauen in die langfristige Qualität eines Produktes ist heute die sichere Basis für die zukünftige Existenz eines Unternehmens.



INPLASTICS: Lassen Sie uns zum Abschluss einen Blick in die Zukunft wagen:Wo wird die LUCOBIT AG in weiteren fünf Jahren stehen?

Robert Riegler: Wir möchten die LUCOBIT AG zu einem der führenden Anbieter von flexiblen Polyolefinen und deren modifizierten Werkstoffen in Europa ausbauen. Dies wollen wir z.B. durch Entwicklungspartnerschaften erreichen, aus denen einzigartige Spezialitätenlösungen hervorgehen, die unseren Kunden den entscheidenden Wettbewerbsvorteil bringen. Das ist zugegeben ein ehrgeiziges Ziel,aber ein Stück des Weges haben wir ja bereits zurück gelegt.Wir wollen uns in den Segmenten, die für uns zukunftsweisend sind, fest etablieren und weiterentwickeln.Dies erreichen wir durch gegenseitiges Vertrauen,Kompetenz und Know-How-Austausch mit unseren Geschäftspartnern. Wie unser Sortiment dann aussehen wird, ist heute nicht abzusehen.Aber eines ist sicher: Unsere Lösungen werden unseren Kunden auch in Zukunft Erfolg bringen.

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